Ein Interview mit Christian Protte

Wer hier in den letzten Wochen wachsam mitgelesen hat, wird bemerkt haben, dass mich die analoge Fotografie immer mehr begeistert. Christian Protte, auch bekannt als protten, hat es die Analogfotografie auch angetan. Über ihn werdet ihr nun einige Dinge im kommenden Interview erfahren, seine Arbeiten aber könnt ihr entweder auf seinem Blog oder bei Flickr einsehen.

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Hallo Christian, kannst du dich den Lesern bitte kurz vorstellen?

Hi. Mein Name ist Christian Protte, 28 Jahre, wohne in Bielefeld und studiere dort Fotografie und Medien an der FH. Einen Einblick in meine Arbeit findest du u.a. hier. (.pdf)


Haben dir deine Eltern die Kamera in die Wiege gelegt oder wie bist du zur Fotografie gekommen?

Nein, ich denke es hat eher etwas mit der Fotografie-AG zu tun, die an dem Kolleg angeboten wurde, an dem ich mein Abitur nachgemacht habe. Dort wurde ausschließich mit klassischer Schwarzweiß-Technik gearbeitet, was dann wohl auch meinen Hang zur analogen Fotografie erklärt. Ich bin wirklich glücklich darüber, meinen ersten richtigen Kontakt zur Fotografie noch mit einer klassischen 35mm Kamera gehabt zu haben.

Wie muss man sich deinen Arbeitsplatz vorstellen?

Das schwankt. Entweder habe ich ein Thermometer in der Hand, oder eben einen Stift für’s Grafiktablett.

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Du arbeitest sicherlich mit vielen Kameras, doch welche 2 benutzt du am häufigsten?

Auf der digitalen Seite die Canon 5D mit dem 16-35L und ein paar Festbrennweiten. Sobald Film rein kommt, dann wäre das wohl die Leica M4-2 mit dem Jupiter-3 oder Voigtländer 35/2,5 C. Rational zu erklären ist die Wahl der Leica nicht. Man sieht im Sucher nicht den genauen Bildausschnitt (als Brillenträger hat man eh verkackt), sich bewegende Objekte scharf zu stellen ist eine Kunst für sich und ein Belichtungsmesser ist auch nicht drin.
Trotzdem gibt sie einem ein besonderes Gefühl und man denkt bei jedem Foto, dass man natürlich gerade den Schuss gemacht hat, auf den Bresson stolz gewesen wäre.

Meiner Meinung nach erlebt die analoge Fotografie gerade eine Art Wiedergeburt. Ist es inzwischen Kult analog zu Fotografien oder wie siehst du das Ganze?

Ja, auf jeden. Ich vermute es hat etwas damit zu tun, dass man mit der analogen Fotografie etwas warmes, ungenaues und unperfektes verbindet. Anfangs ist das mit Sicherheit das Ausschlaggebenste. Wenn man sich weiter damit beschäftigt, kommt man allerdings in der Regel über diesen Status hinaus und erkennt, dass technische “Fehler” (die oft der Grund für die Sympathie sind) und das Arbeiten auf Film nicht zwingend zusammen gehören.

Mir persönlich geht es mittlerweile eher darum, dass man so konzentrierter arbeitet, da man nicht zwischendurch kontrollieren kann. Ich gebe mir dann mehr Mühe. In diesem Zusammenhang: Es hat sich bei mir schon bewährt, beim Fotografieren mit der 5D das Display abzukleben. Kann ich nur jedem empfehlen.

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Wie wir schon gelesen haben, fotografierst du ja viel mit Film. Entwickelst du die Fotos im Anschluss selbst oder lässt du das lieber machen?

Ich entwickle meine SW Filme selber. Gründe dafür gibt es viele:

– Qualitativ besser. Ich kann natürlich durch Wahl der Chemie besser Einfluss nehmen. Wenn Sujet und/oder Format es zulassen, kann man zudem weiterführende Schritte unternehmen, um den Kontasrumfang des Films voll auszureizen. Stichwort: Zonensystem
– Günstiger
– Schneller
– Keine Kratzer. Und wenn doch, bin ich wenigstens selber Schuld.

Bei den Prints ist es unterschiedlich. Meist stehe ich im Labor und mache sie selbst, aber manchmal scanne ich auch die Neg’s und lasse sie drucken.
Das Wertigkeitsgefühl ist bei Handabzügen natürlich unübertroffen hoch.
Qualitativ tut sich, wenn man einen guten Scanner hat, nicht mehr viel (wenn auch Probleme am ehesten bei Verläufen auftreten).
Mit Farbfilm fotografiere ich in der Regel nicht (die Möglichkeiten beim klassischen Printen sind mir da einfach zu gering).

Anfängern rate ich dringend davon ab, Prints in Drogerien oder auch kleineren Foto”Fach”geschäften machen zu lassen – besonders bei Schwarzweiß Fotos. Besser ist es, nur die Filmentwicklung machen zu lassen, sich einen günstigen Scanner zu kaufen, die Bilder selber zu bearbeiten und anschließend in einem der vielen online shops printen zu lassen.

Wie schaut es bei dir hinter der Kamera aus?

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Du bist auf einem Trödelmarkt und suchst eine alte Kamera. Welche würdest du auswählen und warum?

Ja was ist denn im Angebot? Wenn da eine alte Leica für 30€ läge, dann natrürlich die. Ansonsten habe ich letztens eine schicke Olympus XA-4 Macro erspäht und mitgenommen. Wunderbares 28mm Objektiv. Eigentlich ist das aber alles ziemlich nerdy. Man kann mit fast jeder Kamera schöne Fotos machen. Hauptsache man erkennt genug durch den Sucher.

Was reizt dich an der analogen Fotografie?

Das man beim Fotografieren auf seine Intuition vertrauen muss und nicht zu 100% weiß, ob man den richtigen Moment erwischt hat.

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Wie verbringst du deine Zeit, wenn die Kamera mal nicht in der Hand ist?

Ich sollte mehr Sport machen.

Aktuell studierst du ja in Bielefeld Fotografie, doch wie geht es für dich nach dem Studium weiter?
Hast du Ziele/Pläne?

Mein Ziel ist es, Reportagefotograf zu werden. Ob das in der Form gelingt, dass ich davon meine Brötchen werde kaufen können… das kann ich jetzt noch nicht abschätzen. Ich versuche ehrlich gesagt auch nicht zu viel darüber nachzudenken, wie wahrscheinlich das ist. Das macht einen doch verrückt.
Das klingt jetzt naiv, aber ich versuche einfach die Zeit des Studiums zu nutzen und denke, dass alles schon gut werden wird.

Die letzte Frage kannst du gestalten wie du willst. Du kannst dich bei jemanden bedanken, ein Lieblingsfoto zeigen, dem nächsten Interviewpartner eine frage stellen…sei einfach kreativ.

Welchen Film sollte man als Fotograf gesehen haben?
“War Photographer” von Christian Frei.

An dieser Stelle viele Dank an Christian und alles Gute für die Zukunft.

Links:
Christian’s Blog
Flickr
Portfolio als .pdf
seine Theoriearbeit über das Zonensystem

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2 Antworten zu “Ein Interview mit Christian Protte”

  1. Christian sagt:

    Ich will ein Kind von dir, protten!

  2. Protten sagt:

    Kann ich verstehen.

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